Familienfotos: Mit diesen Ideen gelingen sie im Studio und draußen

MiGel19. DEZEMBER 2022
Mädchen fotografiert Mutter in Studio mit Profikamera und Scheinwerfer

stock.adobe.com/Konstantin Yuganov

Ob für die eigene Erinnerung, zu Festen oder als Geschenk für die Lieben: Familienfotos sind immer eine tolle Idee. Wenn du schon mal probiert hast, selbst Fotos von deiner Familie zu schießen, weißt du aber auch: Einfach ist das nicht. Wir verraten dir ein paar Tipps und Ideen, wie die Bilder gelingen.

Eine einzelne Person zu fotografieren ist schon eine Herausforderung. Bei Familienfotos hast du es mit mehreren, sehr unterschiedlichen Personen zu tun! Eine gute Vorbereitung hilft dir, das Shooting für dich und die Fotografierten stressfreier zu gestalten und viele schöne Ergebnisse zu erzielen.

Du solltest dir vorab gut überlegen, wo du die Fotos machen möchtest, wen und was du fotografieren möchtest und was du dafür brauchst. Außerdem solltest du darauf achten, was deine Familienmitglieder anhaben und ob das zueinander und zur Bildidee passt. Details zu diesen Punkten und jede Menge Ideen für deine Familienfotos liest du im Folgenden.

1. Die Wahl der Motive für deine Familienfotos

Wen willst du fotografieren und wobei?

Je mehr Personen vor der Kamera stehen, umso herausfordernder ist das Shooting. Du kennst das sicher von Anlässen wie Hochzeiten oder dem Schulfoto: Irgendwer hat immer die Augen zu oder schaut komisch. Das ist bei Familienfotos nicht anders. Eine gute Idee ist es deshalb, dir kleine Grüppchen und Paarungen zu überlegen, oder bitte Familienmitglieder einzeln vor die Kamera.

Familienfotos auf der Wiese

stock.adobe.com/JackF

Hier hat es fast funktioniert, die meisten schauen mit geöffneten Augen in die Kamera. Doch das Mädchen im Hintergrund schaut weg.

Aktion statt Posing – die bessere Idee

Sobald du jemanden vor der Kamera hast, sollten gerade unerfahrene Personen das Posen vermeiden. Viel einfacher und vor allem natürlicher ist das Interagieren. Gib deinem Modell eine Beschäftigung. Das kann durch einen Gegenstand oder eine andere Person passieren. Machst du ein Einzelportrait, kannst du auch selbst mit der Person vor der Kamera interagieren. Du kannst dir zum Beispiel etwas erzählen oder zeigen lassen – oder selbst etwas erzählen. Das sorgt fast immer dafür, dass die Person vor der Kamera lockerer und natürlicher wirkt.

YouTube/Alexi Lubomirski

Gruppenfotos leicht(er) gemacht

Wenn es doch ein großes Familiengruppenfoto sein soll, haben wir ein paar Ideen von Foto-Profis für dich:

  • Platziere große Personen eher in der Mitte und hinten, kleinere vorn oder am Rand.

  • Stelle dich möglichst weit weg – so weit, wie es die Umgebung und die Kommunikation zulassen. So kannst du eine längere Brennweite nutzen, um weniger Bildverzerrungen zu haben und die Personen etwas besser vom Hintergrund abheben zu können.

  • Stell die Gruppe möglichst vor einen offenen, weiter entfernten Hintergrund, etwa einen Park – nicht direkt vor eine Wand oder ähnliches. So entsteht mehr Tiefe im Bild und du hast die Möglichkeit, den Hintergrund mit einer offenen Blende in die Unschärfe übergehen zu lassen. Achte aber darauf, die Blende trotzdem weit genug zu schließen, sodass alle Personen scharf abgebildet werden.

Blende
Fotografie

Kamera-Blende: Funktion und Einstellung einfach erklärt

Licht macht Foto-Aufnahmen erst möglich. Und mit der Kamera-Blende steuerst du die Menge des Lichts, das auf den Sensor der Kamera trifft. Die Blende ist neben dem ISO Wert und der Belichtungszeit eine der wichtigsten Einstellungen beim Fotografien.

Bitte alle Beteiligten, die Augen zu schließen und sie erst zu öffnen, wenn du bis drei gezählt hast. Das wird nicht nur alle amüsieren, sondern verringert auch die Gefahr, dass jemand genau im Moment des Fotos blinzelt. Mach bei deinem Kommando dann gleich mehrere Fotos schnell hintereinander.

2. Die Wahl der Kleidung: Was anziehen für Familienfotos?

Eltern halten ihre Kinder in den Armen

stock.adobe.com/the faces

Kleidung sagt viel über uns und unsere Persönlichkeit aus. Bei einem Fotoshooting sollte die Garderobe aber nicht mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als die Personen, die sie tragen. Bei mehreren Personen im Bild muss die Kleidung zudem einer gewissen Harmonie folgen.

Eine gute Idee ist es daher, vor dem Fototermin ein paar Farben festzulegen, die miteinander harmonieren und die für deine Familienfotos funktionieren. Bitte deine Familie dann, sich bei der Kleiderwahl an diesen Farben zu orientieren.

Vermeide Kleidung komplett in Schwarz oder Weiß. Abgesehen von den bei uns gesellschaftlich verwurzelten Assoziationen zu Hochzeit oder Beerdigung erschwert sie die Belichtung. Weiß strahlt sehr hell und bei schwarzer Bekleidung verschwinden Details schnell in Dunkelheit. Einige Farbtupfer, die gut miteinander harmonieren, bringen Leben und Fröhlichkeit in deine Bilder!

Bei einem Fotoshooting hängen alle Aspekte zusammen und voneinander ab. Darum denk bei der Wahl der Kleiderfarben auch an deine geplante Umgebung und deine Hintergründe. Im dichten Wald könnten Grün- und Brauntöne deine Familie im Wald „verschwinden“ lassen.

3. Die Wahl der Location für dein Familien-Shooting

Wo dein Shooting stattfindet, spielt eine große Rolle für die Art der Motive und die Wirkung der Bilder.

Vater mit Töchtern verkleidet

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Im Studio sind Requisiten ein großes Plus, besonders bei Familienfotos mit Kindern und Babys.

Familienfotos im Studio: Mehr Kontrolle

Im Fotostudio lenkt nur wenig von den Personen ab, die du fotografierst. Und du hast mehr Kontrolle über alle Faktoren. Du kannst den Hintergrund ebenso bestimmen wie das Licht und musst dich nicht vor schlechtem Wetter oder störenden anderen Personen fürchten.

Entscheidest du dich für das Fotostudio, überleg dir gut, was du dort alles brauchst. Sind Requisiten und Möbelstücke zum Sitzen, Liegen und so weiter vorhanden? Was musst du noch mitbringen? Gibt es große Fenster und indirektes Sonnenlicht, das du zur Ausleuchtung nutzen kannst? Oder gibt es eine Dauerlicht- oder Blitzausrüstung mit dem nötigen Zubehör? Kannst du damit umgehen oder gibt es jemanden, der dich einweisen kann?

Familienfotos draußen: Mehr Kontext, aber auch zusätzliche Herausforderungen

Draußen gibt es zwar mehr Unwägbarkeiten, aber auch mehr Möglichkeiten der Interaktion. Dort wirken Bilder außerdem oft weniger formell und mit der Sonne gibt es eine große, sehr preisgünstige Lichtquelle. Personen erscheinen im Kontext mit ihrer Umgebung – darum liegt der Fokus nicht so stark auf der Person allein. Damit fühlen sich viele Leute wohler, was sich positiv auf die Fotos auswirkt.

Möchtest du deine Familienfotos draußen machen, achte auf das Wetter und die Uhrzeit. Anders als viele glauben, ist strahlender Sonnenschein zur Mittagszeit selten gutes Fotowetter. Die Kontraste sind viel zu hoch, im Bild gibt es harte, dunkle Schatten sowie von Schweiß glänzende Haut und zugekniffene Augen. Besser ist ein etwas bewölkter Himmel und eine Zeit am Vormittag oder späten Nachmittag.

Wunderschöne, stimmungsvolle Bilder gibt es auch zur „goldenen Stunde“, also kurz vor Sonnenuntergang. Die ist aber schnell vorbei und das Licht ändert sich währenddessen ständig. Das erfordert permanente Anpassung und frisst viel Zeit. Ein ganzes Shooting nur in diesem Zeitraum zu planen, solltest du darum vermeiden. Plane die „goldene Stunde“ eher als nette Bonus-Idee für deine Familienfotos ein.

Familie läuft durch Kornfeld bei Sonnenuntergang

stock.adobe.com/JenkoAtaman

Draußen sind sowohl deine Familienmitglieder als auch die Umgebung das Fotomotiv. Schau dir also gut an, ob die Umgebung zu deiner Bildidee und deiner Familie passt. Stell sicher, dass dort nicht zu viel los ist und nichts Störendes im Bild auftaucht. Ein roter Hydrant, massenhaft Verkehrsschilder oder viele Stromleitungen können vom eigentlichen Motiv ablenken. Solche Elemente im Nachhinein bei der Bildbearbeitung zu entfernen, braucht viel Zeit und Erfahrung. Das kannst du dir ersparen, wenn du die Umgebung gut aussuchst und kritisch betrachtest.

4. Die Wahl der Ausrüstung für Familienfotos

Junge Fotografin arbeitet in einem Fotostudio

stock.adobe.com/LIGHTFIELD STUDIOS

Die ideale Kamera

Die Wahl der Kamera ist für Familienfotos eher nebensächlich. Idealerweise verfügt sie über Wechselobjektive und erlaubt Aufnahmen im RAW-Format. Bei diesem kameraspezifischen Format kannst du in einer Bildbearbeitungssoftware mit passendem RAW-Konverter einige Dinge wie den Weißabgleich später komplett und ohne Verluste ändern.

Das verschafft dir mehr Spielraum bei den Aufnahmen und umgeht einige Stolpersteine beim Fotografieren. Allerdings sind RAW-Bilder ohne entsprechende Umwandlung nicht nutzbar. Willst du also sofort Bilder weitergeben, ist das gängige Fotoformat JPEG die bessere Wahl.

Das richtige Objektiv / die richtige Brennweite

Familie liegt auf Wiese in den Bergen

stock.adobe.com/Serhii

Fotografieren ist ein kreatives Hobby, also suche ungewöhnliche Lösungen!

Welches Objektiv oder welche Brennweiten du für deine Familienfotos nutzen solltest, hängt von deinem Geschmack und deiner Kreativität ab. Mit allen Brennweiten lassen sich interessante Bilder schießen.

Die klassische Empfehlung für Porträts sind 85-Millimeter-Brennweiten und aufwärts. Sie eignen sich vor allem für engere Kopfporträts von Einzelpersonen und für das Studio. Möchtest du mehr Personen oder Umgebung im Bild unterbringen, bieten sich die sehr günstig zu bekommenden 50-Millimeter-Objektive als Allrounder an.

Unser Geheimtipp für draußen sind 35-Millimeter-Objektive mit großer Lichtstärke (ab Blende 2.0). Damit bekommst du einen interessanten, leichten Weitwinkel-Look, der sowohl Personen als auch Umgebung zeigt und viel Raum für Aktion im Bild lässt.

Die weit geöffnete Blende schafft genug Unschärfe, damit der Hintergrund nicht zu sehr von deinen Lieben ablenkt. Nicht umsonst ist das seit Jahrzehnten die bevorzugte Brennweite von berühmten Reportage-Fotografen wie Henri Cartier-Bresson und Robert Capa. Nur sehr nah an die Motive herangehen solltest du damit nicht, sonst werden Körperproportionen und Gesichter zu verzerrt dargestellt.

Das Licht nutzen und lenken

Fotograf und Model mit Licht-Reflektor in Natur

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Beim „Malen mit Licht“, wie sich „Fotografie“ übersetzen lässt, spielt die Beleuchtung eine wichtige Rolle. Auch wenn du ausschließlich mit natürlichem Licht fotografieren willst, gibt es Möglichkeiten, das Licht zu steuern. Dafür eignen sich Reflektoren, die es beispielsweise günstig als Faltreflektoren gibt. Nur halten muss die jemand, also überleg dir, wer bei deiner Fotosession aushelfen kann.

Setzt du bei deinen Familienfotos auf künstliches Licht, versuche, es so weich wie möglich zu bekommen. Das erreichst du, indem du in Innenräumen indirekt über große helle Wände oder die Decke blitzt oder deinen Aufsteckblitz in einen Reflektor feuern lässt. Durch diese Streuung wirkt die Lichtquelle wesentlich größer und erzeugt gefälligeres Licht. Bei einer Studioausrüstung oder einem Dauerlicht sind Lichtformer wie Softboxen die ideale Wahl, um zu harte Schatten zu vermeiden.

Das perfekte Licht für deine Familienfotos

Kreativitäts-Booster: Ein paar Ideen für deine Familienfotos

Idee #1: Rahmen. „Vordergrund macht Bild gesund“ ist ein alter, grammatikalisch furchtbarer Fotografenspruch. Es stimmt aber: Objekte im Vordergrund bringen mehr Dreidimensionalität ins Bild und können aus einem guten Foto ein großartiges machen. Außerdem bringt es Abwechslung in die Fotosammlung. Nutze für deine Familienfotos also Dinge, die deine Motive einrahmen: Fotografiere Fenster oder Türen, eine Autoscheibe oder Blätter, die ins Bild ragen.

Idee #2: Kinder auf Augenhöhe fotografieren. Meist fotografieren wir aus einer Position, die für uns gewohnt und bequem ist. Gerade für Kinder solltest du diese Gewohnheit auch mal über Bord werfen. Auf ihrer Höhe zu fotografieren gibt Kindern mehr Präsenz im Bild und wirkt respektvoller – es ist eben kein „Blick auf sie herab“.

Idee #3: Neue Perspektiven finden. Versuche, deine Familie so zu fotografieren, wie du es noch nie getan hast. Du kannst zum Beispiel auf dem Boden liegen, dich auf eine Leiter stellen, viele Stufen hinaufgehen oder einfach mal alle der Reihe nach aufgestellt nur von hinten fotografieren. Bloß nicht langweilig!

Idee #4: Augenkontakt. Bitte zwei Familienmitglieder vor die Kamera. Egal ob sie ein Paar, Bruder und Schwester, Mutter und Tochter oder wie auch immer miteinander verwandt sind: Lass sie sich tief in die Augen schauen und warte ab, was danach passiert. Je nach Beziehung zueinander und nach ihrer Persönlichkeit wird es bei jeder Paarung andere Reaktionen, Emotionen und Situationen geben – viele davon sind ein Foto wert.

Idee #5: Locker lassen! „Knipse“ doch mal ein paar Bilder. Fotografieren ist normalerweise sehr viel mehr, als nur den Auslöser zu drücken. Probiere einmal genau das: Schau nicht durch den Sucher oder auf den Bildschirm, sondern richte deine Kamera nur grob aus und drücke einfach ab. Versuche auch, ein paar Fotos buchstäblich aus der Hüfte zu schießen – oder aus allen anderen möglichen und unmöglichen Haltungen und Positionen. Das bringt gute Laune ans Set und lockert dich und deine Familie auf. Und oft kommen dabei erfrischend neue, teils lustige Familienfotos heraus. Praktisch: In der Digitalfotografie ist es kein Problem, die vielen misslungenen Versuche einfach zu löschen.

Zusammenfassung

  • Fotografiere Familienmitglieder lieber einzeln oder in kleinen Grüppchen als alle zusammen.

  • Aktion vor der Kamera ist leichter und natürlicher als Posing.

  • Kleidung sollte farblich zueinander passen, zu viel schwarze und weiße Kleidung solltest du vermeiden.

  • Im Studio liegt alle Aufmerksamkeit auf den Personen und ihren Aktionen.

  • Draußen gibt es mehr Kontext, aber auch neue Herausforderungen wie das Wetter und andere Leute.

  • Eine Kamera mit RAW-Format und Wechselobjektiven bietet viele Möglichkeiten.

  • 85 und 35 Millimeter Brennweite sind gut für Porträts und Gruppenaufnahmen. 50-Millimeter-Objektive sind eine günstige Allrounder-Alternative.

  • Weiches Licht schmeichelt deinen Motiven, vermeide knalligen Sonnenschein und nutze Softboxen, Reflektoren und indirektes Licht.

  • Wenn dir die Ideen für deine Familienfotos ausgehen, nutze unsere Kreativitäts-Booster!

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